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Denkmalpflege


St. Petri Dom Bremen -
Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik



In einer gotischen Kirche ergeben sich auf Grund des großen Raumvolumens für hochkarätige Konzerte besondere akustische Herausforderungen. Um die Akustik im St. Petri Dom zu verbessern, wurden verschiedene Maßnahmenpakete durchgeführt. Aus Gründen des Denkmalschutzes waren alle Bauteile so zu konzipieren, dass sie gar nicht wahrgenommen werden oder aber nur zum Zeitpunkt der Musikveranstaltung zu sehen sind und anschließend unsichtbar verstaut werden.

Auf den Gesimsen unter den Fenstern des Kirchenschiffes und der Querhäuser wurden auf einer Länge von 210 m Linienresonatoren eingebaut, die den Nachhall der tiefen Frequenzen beeinflussen. Ein weiteres Maßnahmenpaket umfasste den Einbau von Vorhängen in den acht hochliegenden Bögen zwischen Hauptschiff und nördlichem Seitenschiff (im Bild oben rechts). Die Vorhänge werden motorisch bedient und werden beim Ablassen automatisch in Truhen abgelegt.




Ein über der Orgelempore installiertes schallreflektierendes Deckensegel lenkt die Musik von Orchester und Chor direkt in das Kirchenschiff. Bei Konzerten, bei denen die Orgel nicht gespielt wird, kann vor dem Orgelprospekt eine Rückwand hochgezogen werden. Acht Elemente, die mittels Teleskopauszügen zusammengeschoben beziehungsweise über Gelenke geklappt werden können, hängen an vier Seilen und einer Stahltraverse. Im Ruhezustand ist das Paket im Chorpodest versenkt.

Deckensegel und Rückwand wurden unterschiedlich gestaltet, um den Eindruck einer raumgreifenden Muschel zu vermeiden. Die Rückwand bezieht sich mit einem Eichenfurnier und dunkelabgesetzten vertikalen Streifen auf das Material und die Gliederung des Orgelprospektes. Das Deckensegel orientiert sich mit dem sehr kräftig wirkenden Orangeton an der durchaus recht farbenfrohen Ausmalung des Kirchenschiffes. Matt gebürstete Messingrauten überziehen in einem diagonalen Raster spielerisch die Fläche.


Standort:
Bremen, Am Markt

Bauherr:
St. Petri Domgemeinde

Projektsteuerung:
Bremische Evangelische Kirche

Fotos:
Dombauherr Dr. Eibach, Bremen





Rathaus Bremen -
Dachinstandsetzungsmaßnahmen 2016



Trotz immer wieder durchgeführter Reparaturen häuften sich am Alten Rathaus die Probleme, dass durch Undichtigkeiten in der Dachhaut Wasser eindrang, im Dachboden abtropfte oder auf der Schalung unkontrollierbar ablief. Man lief Gefahr, dass das Wasser unerkannt auch hinter die Holzkonstruktion laufen konnte und zum Beispiel im Schwellenbereich Moderfäule oder Pilz- und Insektenbefall hätte hervorrufen können.

Nach Abwägung der Gesichtspunkte, zum einen das gewohnte Bild mit dem grün patinierten Blechdach möglichst lange aufrecht zu erhalten, zum anderen aber damit die potentielle Gefährdung der Konstruktion und des Gebäudebestandes in Kauf zu nehmen, fiel die Entscheidung, die Dachhaut zu erneuern, um den Baukörper zu schützen. Eine Neueindeckung war die konservatorisch gegeignetste Maßnahme zur zuverlässigen Herstellung der Dachdichtigkeit.


Baugeschichte

Die letzte Neueindeckung des Daches fand im Jahr 1925 statt, nachdem das Kupferblech im Ersten Weltkrieg zur Waffenherstellung eingeschmolzen wurde und das Dach anschließend einige Jahre lediglich mit Dachpappe abgedeckt war. Auch schon damals entspann sich die Diskussion, ob eine Neueindeckung nicht mit bereits patiniertem Blech anderer öffentlicher Gebäude in der Stadt erfolgen sollte.

Ebenso wurde zur damaligen Zeit diskutiert, ob mit dieser Maßnahme wieder Gauben auf das Dach gesetzt werden sollten, wie sie im 19. Jahrhundert bis zur Neueindeckung 1877 vorhanden waren. Das Hochbauamt gab die Empfehlung: „Ich kann die Anbringung der Dachgauben aber nicht empfehlen. Die große ruhige Dachfläche wird nach unserem heutigen Empfinden viel besser ohne Gauben wirken und das Wiedererstehen der alten Dachgauben würde reichlich nach Altertümelei aussehen.“ (Weber an Senator Thalenhorst am 11. Februar 1922).




Bedingt durch die Sogwirkung von Bombenabwürfen in der Umgebung des Rathauses wurde die Dachdeckung im Zweiten Weltkrieg von der Dachfläche gelöst. Die in der Nachkriegszeit mittels Vernietung der Bleche durchgeführten Reparaturen stellten sich im Laufe der Jahrzehnte als sehr schadensträchtig dar. Umfangreiche, jedoch letztlich auch nur punktuelle Reparaturen gerissener Bleche, Niet- oder Lötverbindungen wurden im Zuge der großen Fassadensanierung in den Jahren 2002/ 2003 durchgeführt.


Bauforschung

Zur dendrochronologischen Bestimmung des Alters der eingebauten Hölzer wurden an etwa fünfzig Punkten im Dachstuhl Bohrkernproben entnommen. Zehn Proben ließen eine exakte Datierung zu. Von den Eichenhölzern der unteren beiden Ebenen im Dachstuhl konnte nur an einem Balken das Alter bestimmt werden, nämlich auf das Jahr 1607. Proben des Fichten-Holzes der oberen drei Ebenen wurden auf 1608/ 1609 datiert. Das Holz im Dachstuhl des Schleppdaches über der Wittheitsstube wurde in den Jahren 1639/ 1640 gefällt. Genaue Rückschlüsse auf die einzelnen Bauphasen waren mangels weiterer eindeutig datierbarer Proben nicht zu gewinnen.

Im Zuge der Dendrochronologischen Untersuchung wurde versucht, die unterschiedlichen Bau- und Reparaturphasen des Dachstuhls zu ergründen. Durch die für die statische Untersuchung erforderliche Öffnung des Dielenbodens im Bereich des Mittelrisalits ergaben sich eine Vielzahl von bis dahin unbekannten baukonstruktiven Details.

Hingewiesen sei an dieser Stelle auf ein im Rahmen dieser Untersuchung erkanntes historisches Detail an der ehemaligen Traufe auf der Nordseite: Im Übergang zum Neuen Rathaus befindet sich ein verbliebenes Teilstück einer hölzernen Dachrinne. Eine Probe zur dendrochronologischen Bestimmung des Alters konnte nicht genommen werden, da das Holz durch und durch mit Teer getränkt ist.




Die Maßgaben für die Neueindeckung des Daches ergaben sich aus den vorliegenden Details im Bestand. Die Wiederverwendung des Materials schied, anders als bei der Neueindeckung des Neuen Rathaus in den Jahren 2005 - 2007, aus, da das Blech vor allem auf der Seite zum Marktplatz durch Schäden zu stark zerstört war. Die in der Öffentlichkeit diskutierte Verwendung von vorpatiniertem Blech wird grundsätzlich vom Landesamt für Denkmalpflege abgelehnt, da eine künstliche Patinierung sehr ebenmäßig erscheint und gegenüber einer natürlich gealterten, farblich changierenden Dachfläche leblos und nicht denkmalgerecht wirkt.









Als wertvolles und mangelfrei im Bestand vorhandenes Baudetail wurde die Verzierung am First und den Graten erhalten. Ebenso wurden die historischen Leiterhaken und Rinnenhaken wiederverwendet.














Bei der Planung der Verstärkungsmaßnahmen im Dachstuhl richteten sich die Details ebenfalls nach der Art der in der Vergangenheit durchgeführten Maßnahmen. Je nach Umfeld und Erfordernis wurden die Maßnahmen mit Holz oder mit Stahl durchgeführt.









Befund eines bemalten Deckenbalkens in der geschlossenen Deckenkonstruktion oberhalb der Güldenkammer




Bürgermeister Dr. Carsten Sieling lud die Handwerker zum Dank für ihre Leistungen zu Kaffee und Kuchen ein. Das Architekturbüro steuerte dazu einen Englischen Teekuchen in Form des Rathausdaches bei.







Rathaus Bremen -
Fassadeninstandsetzungsmaßnahmen 2001 - 2007

Als weltweit einziges Rathaus wurde das Rathaus Bremen im Jahr 2004 von der UNESCO als Welterbe der Menschheit anerkannt. Ziel der in den Jahren 2001 - 2007 durchgeführten Instandsetzungsmaßnahmen war die Sicherung des Bestandes unter Wahrung des überlieferten Erscheinungsbildes.

Unter anderem hatten Reparaturmaßnahmen mit Zementergänzungen aus den 60-er Jahren zu nicht unbeträchtlichen Schäden geführt, die es zu beheben galt. Durch Rostsprengung gefährdete Bauteile wurden gesichert, zugängliche rostende Metallteile wurden ausgebaut beziehungsweise ersetzt.








































Standort:
Bremen, Am Markt

Bauherr:
Senatskanzlei der Freien Hansestadt Bremen

Projektsteuerung:
Immobilien Bremen AöR

Fotos:
Landesinstitut für Bildung, Michael Schnelle
Roland Peuthert
Ulrich Ruwe





St. Petri Domgemeinde
Renovierung des Kapitelhauses



Das Kapitelhaus entstand im Jahr 1929 als Teil des Konzerthauses "Glocke". Im Laufe der Jahre erfuhr das Haus vielfache Umbauten, die die Räume immer mehr verunstalteten. So war es das Ziel dieser Baumaßnahme, die im Ursprung sehr klare, streng symmetrische Raumkonzeption wieder herzustellen.

Um dies zu erreichen, wurden unter anderem die vorhandenen Natursteinbrüstungen auch auf neu erstellten Wänden fortgesetzt; hierzu konnte glücklicherweise altes, eingelagertes Material wiederverwandt werden. Durch den Einbau einer Fenstertür konnte eine Blickachse in den Bibelgarten geöffnet werden - als point-de-vue die Figur des St. Jacobus.




Im Kontrast zu den alten Bauteilen wurden die hinzugefügten neuen Bauteile in moderner Formensprache ausgeführt.




An anderer Stelle, wie hier am Eingang, wurden stillose Elemente wie die Eingangstür aus den 60-er Jahren durch einen Nachbau der Türen der Glocke ersetzt.




Die Ausstattung des Kapitelsaales war weitgehend erhalten und wurde restauriert.

Das Projekt spiegelt die verschiedenen Aspekte im Umgang mit denkmalgeschützter Substanz wider: Das Alte wurde erhalten und durch Restaurierung zu neuem Leben erweckt; dort, wo es sinnvoll erschien, wurden Bauteile entsprechend Befund fortgeführt, Neues wurde im Duktus der heutigen Zeit ergänzt.




Nach Abbruch der Fensterbrüstungen öffnet sich der Raum zum Dom und zu einer oberhalb des Bibelgartens liegenden Terrasse.









Im Dachgeschoss entstand ein Seminarbereich mit drei Gruppenräumen und einer Bibliothek.







Modernisierung der Domkanzlei
und des Domgemeindehauses



Die Baumaßnahme umfasste die Modernisierung der Eingangssituation und der erdgeschossigen Büroräume sowie die Renovierung der zum Hof hin liegenden Eingangstüren und der Fenster. Im Weiteren wurde für den Hof, der dem Konzerthaus "Die Glocke" als rückwärtiger Zugang dient, ein Beleuchtungskonzept entwickelt.














Im Zuge der Neugestaltung des Bibelgartens sollte ein historischer Brunnen, der bei Ausschachtungsarbeiten im Faulenquartier gefunden wurde, aufgebaut werden. Als Wasserspender entwarfen wir ein neben dem Brunnenring stehendes Rankgerüst. Eine Rose umrankt dieses Gerüst und das Wasser führende Rohr.


Standort:
Kapitelhaus: Bremen, Domsheide 8
Domkanzlei: Bremen, Sandstraße 10

Bauherr:
St. Petri Domgemeinde

Fotos:
Jens Meier, Bremen
Ulrich Ruwe, Bremen
 
 
 
 
Architekturbüro Ulrich Ruwe
Dipl.-Ing. Architekt BDA

Keplerstraße 30
28203 Bremen
Telefon 0421 - 707303
ruwe@architektruwe.de